Meditationsimpuls der Woche

Geduld und Demut in der persönlichen und gesellschaftlichen Entwicklung nötig!

Impuls zur Meditations-Woche vom 29. Juni 2026 bis 5. Juli 2026

von Marcus M. Lübbering

Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
Nahaufnahme eines jungen Grashalms, der aus dunkler Erde wächst, daneben eine offene menschliche Hand im sanften Morgenlicht.

Impuls: Geduld und Demut in der persönlichen und gesellschaftlichen Entwicklung nötig!

Angesichts des entwicklungspolitischen Themas bei den „Eberbacher Impulsen“ diese Woche erinnere ich mich an ein Symposion der Ludwig-Erhard-Stiftung in den 80er Jahren. Der damalige Entwicklungsminister Warnke sprach von natürlichen Entwicklungsprozessen und stellte ihnen die Ungeduld gegenüber, mit der wir oft die Dinge beschleunigen wollen. Dazu zitierte er den Satz vom Gras, das nicht schneller wächst, wenn man es zieht. Im Gegenteil, es kann auch das Wachstum unterbrechen. Worauf kommt es an?

Der Verweis auf natürliche Entwicklungsprozesse darf keine Ausrede sein, wenn akute Hilfe nötig ist. Und wir können und müssen Prozesse beschleunigen, indem wir unterstützende Hilfe leisten. Zugleich sollten wir uns davor hüten, andere zu bevormunden und ihren eigenen Anteil an der Entwicklung geringzuschätzen. Das gilt für die politische Zusammenarbeit, für unsere Gesellschaft, es gilt aber vor allem auch für das persönliche Miteinander und für uns selbst. Wer zu hohe Erwartungen hat oder die Früchte schon zu früh ernten will, wird Enttäuschungen erleben oder unter seinen Möglichkeiten bleiben. Daher sind Geduld und Demut unverzichtbar:

Wer keine Geduld hat, wird eher dazu neigen, in Aktionismus und vordergründige Maßnahmen zu verfallen. So läuft man im persönlichen Bereich von einer Ablenkung zur nächsten, im gesellschaftlichen Bereich werden ständig neue Programme und Kampagnen aufgesetzt. Im Kern des Problems ändert sich so aber meist nichts; statt einer Lösung gibt es oft mehr Schaden.

Wem es dazu an Demut mangelt, wird persönlich noch leichter dazu neigen, nach außen eine Fassade aufzubauen, die im Inneren keine Basis hat. Wenn damit nicht ehrlich umgegangen wird, bilden sich Schutzreaktionen, die das Defizit überdecken sollen – bis hin zu Arroganz und Narzissmus. Im gesellschaftlich-politischen Bereich kommt es nicht zu einem Miteinander, sondern zu einem gegeneinander, dass sich immer weiter aufschaukelt.

Durch Demut und Geduld können wir diesen Kreislauf unterbrechen. Es tut gut, sich darauf zu besinnen, dass der Begriff „Demut“ sich aus dem althochdeutschen Wort „diomuoti“ ableitet. Es lässt sich zerlegen in die beiden Bestandteile „dienen“ (dionōn) und „Mut“ (muot). Letztlich geht es also darum, ob wir den „Mut zum Dienen“ haben – im Sinne der Entwicklung unsres wahren Selbst und unserer Mitmenschen in Nah und Fern. Und dazu brauchen wir auch Geduld.

Überleitung in die Stille

Akut helfen? Ja! Aber auch demütig warten – können wir das noch in einer Zeit, die immer schnellere Antworten erwartet? Wir können es zumindest versuchen, wenn wir meditieren. Dann spielt Oberflächliches keine Rolle mehr. Wir lernen, es zurückzulassen – Fragen etwa, wie lange es dauern wird, bis die Zeit der Stille (endlich) vorbei ist, bis die „Erleuchtung“ oder eine besondere Erfahrung kommt. Was wir erreichen wollen, erscheint in einem anderen Licht. Das befreit von der Erwartung, dass etwas – sofort oder so, wie wir uns das vorstellen – passieren muss. Es öffnet uns für die Wirklichkeit, von der wir alle ein Teil sind und die alles lösen wird.

Ma-ra-na-tha – komm, Herr…

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