Meditationsimpuls der Woche

Steine und Tore

Impuls zur Meditations-Woche vom 27. Juli 2026 bis 2. August 2026

von Marcus M. Lübbering

Gott hat der Wahrheit mehrere Tore gegeben, und er öffnet sie demjenigen, der mit der Hand des Glaubens daran klopft.
Khalil Gibran, 1883–1931, libanesischer Künstler und Dichter

Impuls: Steine und Tore

Von Steinen war hier zuletzt die Rede, von dunklen und hellen, die unseren Lebensbogen tragen. Unsere Aufgabe ist es, mit diesen Steinen umzugehen: Wir sollen selbst zu „lebendigen Steinen“ werden, wie es der Apostel Petrus sagt (1 Petr 2, 5). Was können wir dazu beitragen?

Aus den biblischen Geschichten wissen wir, dass Steine sogar rettendes Wasser hervorbringen können, jedenfalls wenn ein Mose seinen Stab mit Bestimmtheit zum Einsatz bringt. (2 Mose 17, 1-7) Wir wissen nicht, was es das für ein Stein in der Wüste war. Jedenfalls wohl eher ein toter, und dem Volk in der Wüste war ohnehin bald alles ein Ärgernis. Und sogar Mose hatte Zweifel: „…können wir euch wohl aus diesem Felsen Wasser fließen lassen?“ (Num 20, 10), so fragte er. Wegen des Zweifels durfte er das gelobte Land später nicht betreten, nur sehen.

Was sollten wir also tun, wenn uns gerade beim Meditieren unsere dunklen „Steine“ ablenken oder ein Ärgernis werden? Eine Leserin dieser Texte stellte die Frage, ob wir uns nicht in der Stille zu wenig mit unseren dunklen Seiten beschäftigen, wenn sie uns bei der Meditation stören. Sie gehe lieber darauf ein, anstatt sofort zum Mantra zurückzukehren. Ist das ein Widerspruch zu dem Rat, den auch John Main allen als Grundsatz gegeben hat, die sich auf den Weg der Meditation machen? Und zwar: „Sprich Dein Mantra!“ Wann und unter welchen Umständen entspringt aus allen Anfechtungen und aus der Trockenheit unserer Wüste ein neuer Quell? Auch das Volk Gottes musste die Trockenheit und Eintönigkeit der Wüste erst lange erfahren.

Selbst wenn wir es so halten wollen wie Mose, der mit Bestimmtheit auf den Felsen zugegangen ist und getan hat, was ihm geboten wurde, so werden sich in der Stille der Meditation doch immer wieder Gedanken melden. Das ist völlig normal. Auch bei Mose war es so: Seine ganze Geschichte ist voll von Zweifeln und Widerständen. Aber er nimmt den (unangenehmen?) Stein oder Felsen zur Kenntnis, und dann schlägt er sogar mit Bestimmtheit zu und lässt so das Wasser fließen – das Mantra in unseren Herzen. Deshalb ist es durchaus wichtig, an den Punkt zu kommen, an dem wir zurückkehren auf den Pfad des Mantra. Wann das ist, muss jeder selbst erkennen und erfahren. Dazu sollte sich jeder im Herzen leiten lassen.

Zu dem Bild von den Steinen schrieb mir eine weitere Leserin, dass man mit Steinen ja auch Tore bauen kann. Sie bezog sich dabei auf das Löwentor von Mykene. Vor über 50 Jahren habe ich selbst auf einer Klassenfahrt davor gestanden, es hat mich bis heute tief beeindruckt: Was manche erst auf den zweiten Blick sahen, waren die Spuren, die unzählige Menschen beim Gang durch das Tor in den gewaltigen Wegsteinen hinterlassen haben – in beide Richtungen!

Überleitung in die Stille

Seien wir also offen für das, was kommt, und öffnen wir unsere Tore auch dafür, dass die Gedanken unser still werdendes Inneres wieder verlassen können, damit Wasser fließen kann.

Ma-ra-na-tha – komm, Herr…

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