Meditationsimpuls der Woche

Unterwegs ins Ungewisse – mit offenem Geist!

Impuls zur Meditations-Woche vom 23. März 2026 bis 29. März 2026

von Marcus M. Lübbering

Ich bin bereit, überall hinzugehen, vorausgesetzt, der Weg führt vorwärts.
David Livingstone, 1813 -1873, schottischer Missionar und Afrikaforscher
Ein weiter Blick auf einen mächtigen Wasserfall ähnlich den Viktoriafällen, gesehen von einem felsigen Aussichtspunkt. Eine einzelne Person in Outdoor-Kleidung steht am Rand und blickt in die aufsteigende Gischt. Feuchte Felsen und dichter Sprühnebel bei gedämpftem Morgenlicht sind sichtbar.

Impuls: Unterwegs ins Ungewisse – mit offenem Geist!

Letzte Woche stolperte ich mit meiner Frau über den Geburtstag von David Livingstone, dem schottischen Missionar und Forschungsreisenden, der bei seiner Afrika-Durchquerung 1855 die Viktoriafälle entdeckte. Bei unserer Erkundung über diesen außergewöhnlichen, ja ruhelosen  Entdecker kam mir das Lied „What about Livingstone?“ der Pop-Gruppe ABBA in den Sinn, die tatsächlich diesem Wissenschaftler in meinem Abiturjahr 1974 dieses Lied gewidmet hat. Was war das damals auch für eine Zeit des Aufbruchs! Und doch besingt das Lied die Ignoranz vieler, die die Leistungen der Forscher geringschätzen und denen der Fortschritt egal ist. Bemerkenswert auch: Wie Kolumbus hat auch Livingstone etwas gefunden, das er gar nicht gesucht hat: Sein Ziel, für das er aufgebrochen war, die Quelle des Nil, hat er nie gefunden!

Anfang März haben wir in der Academie Kloster Eberbach einen beeindruckenden Vortrag von Monika Wiederhold über das Thema „Unendlichkeit“ gehört, in der man sich ebenfalls verlieren kann: Sie sprach nicht über ihre Arbeit im Vorstand des im SDAX gelisteten Personaldienstleistungsunternehmens „Amadeus Fire“, sondern in erster Linie auch als Mathematikerin: Sie wies darauf hin, dass es eine abzählbare und eine überabzählbare Unendlichkeit gebe. Die zählbare Unendlichkeit besteht darin, dass man zu einer beliebig hohen Zahl immer noch eine weitere hinzuaddieren kann; die überabzählbare Unendlichkeit besteht – wenn ich es richtig verstanden habe – darin, dass man den Abstand zwischen zwei Zahlen ebenfalls in eine unendlich große Anzahl von immer kleineren Abständen unterteilen kann. In beiden Unendlichkeiten erreicht man noch weniger ein Ziel als bei der geographischen Suche.

Egal, ob man sich wie David Livingstone auf weite (Forschungs-)Reisen begibt oder im Kleinsten – vielleicht eben auch in seinem Innersten – sucht, die meiste Zeit der „Reise“ besteht aus dem Suchen, ja Forschen und dem Unterwegs-Sein. Wenn wir dann einen Viktoria-Fall entdeckt haben, mag der Eindruck überwältigend sein, aber er ist einmalig und unwiederbringlich. Diese Erfahrung wird uns prägen, wir nehmen das Wissen daraus mit, aber wir streben weiter voran!

Überleitung in die Stille

Auch bei unserer inneren Reise der Meditation verbringen wir die meiste, wenn nicht (fast) alle Zeit damit, auf dem Weg zu sein. Das mag mühsam sein, aber es ist der einzige Weg zu dem Ziel, das wir erreichen sollen. Es geht darum, geduldig durchzuhalten und wachsam auf die Wegzeichen achten, denen wir begegnen. Das ist der offene „Forschergeist“, den wir auch auf unserer Reise kleinster Schritte mit unserem Mantra durch die Stille brauchen. Ohne ihn kommen wir nicht weiter! Wer nicht wachsam warten und mit Ausdauer unterwegs sein kann, dem wird vieles entgehen. Mit einem Geist erwartungsvoller Offenheit werden wir dagegen tiefer sehen: Was unsere Sinne im Leben wahrnehmen, verstehen wir dann mit dem Herzen. Das gilt im Hinblick auf unsere (großen) Lebensziele, ebenso aber auch für die kleinen Zeichen am Wegesrand. „Nichts auf der Welt wird mich dazu bringen … aufzugeben. Ich fasse Mut in meinem Gott und mache weiter.“, so Livingstone. Beherzigen wird das auch in der Stille!

Ma-ra-na-tha – komm, Herr…

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