Meditationsimpuls der Woche
Frieden „machen“…?
Impuls zur Meditations-Woche vom 28. September 2026 bis 4. Oktober 2026
Selig seid ihr, wenn Ihr Frieden macht.
Impuls: Frieden „machen“…?
Letzten Sonntag wurde bei uns im Gottesdienst wieder das Lied „Selig seid ihr,“ mit der oben zitierten Zeile zum Frieden gesungen. Es stammt aus der Zeit der Nachrüstungsdebatte Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre. Seither geht mir bei dieser Zeile immer wieder die Frage durch den Kopf: Was bedeutet es denn eigentlich, Frieden zu „machen“?
Es gibt ja auch den Ausspruch: „Frieden schafft nur der Starke.“ Dabei muss der Starke natürlich bereit sein, Recht und Gerechtigkeit durchzusetzen. Allerdings wissen wir auch, wie schmal der Grat auf diesem Wege ist – gerade im gesellschaftlichen und politischen Betrieb unserer Welt. Schlimm ist es, wenn der Starke gar kein Interesse daran hat und sich auch selbst nicht an Recht und Gesetz hält. Auch dazu gibt es vermehrt Beispiele, gar nicht so weit weg.
Wahrer Friede scheint immer gefährdet. Ihn mit Stärke durchsetzen und erhalten zu wollen, ist oft eine Notwendigkeit. Auf jeden Fall müssen wir wohl bereit sein, unsere Freiheit zu verteidigen, sonst wird uns allzu leicht ein falscher Friede aufgezwungen. Das zu verhindern, habe ich immer als die Kunst einer Friedenspolitik verstanden, die auf Stärke setzt, um auf den Einsatz von staatlicher Gewalt und Waffen verzichten zu können.
Wahrer, tiefer Friede aber scheint mir kaum in diesem Sinne „machbar“, jedenfalls so lange es unterschiedliche Ansichten, Meinungen und Interessen der Menschen und Völker gibt. Trotzdem ist der Friede ein Ur-Zustand, nach dem wir uns sehnen. Es gibt den Teufelskreis, der Streit und Auseinandersetzungen immer schlimmer macht. Aber dazu muss er von uns Menschen stets neu befeuert werden. Ohne diese Nahrung kehrt selbst nach Kampfeslärm wieder Stille ein. Das ist beim Lärm generell so: Er vergeht, wenn er nicht genährt wird.
So gesehen sind Friede und Stille eins, zumindest gehen sie Hand in Hand. Die Stille, die wir halten, trägt auch zum Frieden bei. Es ist ein Friede, der nicht erzwungen ist, sondern ein Friede, der uns mit unserem tiefen und wahren Selbst verbindet, mit unserer menschlichen Natur. Diese Erfahrung lässt auch die Einheit und den Frieden mit anderen wachsen, ohne „Machen“.
Überleitung in die Stille
Wer Frieden „machen“ will und muss und wem eine solche Rolle in der Welt zukommt, der muss auch unbequeme Entscheidungen treffen. Er sollte dabei nie vergessen: Innerer Friede stellt sich – wie die Stille – dann ein, wenn wir den „Lärm“ unseres Tuns und unsere Absichten zurücklassen. Das Geschenk tiefen Friedens wird möglich, wenn wir die Stille „machen“ lassen.
Ma-ra-na-tha – komm, Herr…