Meditationsimpuls der Woche
Keine Abkürzungen im Leben
Impuls zur Meditations-Woche vom 7. September 2026 bis 13. September 2026
Die gefährlichste Abkürzung ist der Glaube an die Magie.
Impuls: Keine Abkürzungen im Leben
Am vergangenen Wochenende habe ich an dem Seminar der Deutschen und Österreichischen Sektion der Weltgemeinschaft für Christliche Meditation (WCCM) teilgenommen. Es war erneut beeindruckend, mit so vielen Menschen aus den unterschiedlichen Winkeln unseres Landes und Nachbarlandes in der Stille zusammenzukommen und zu meditieren. Meditation schafft Gemeinschaft, und auch wenn solche Wochenenden nicht in erster Linie dem Austausch dienen, es wächst doch ein Miteinander und ein gegenseitiges Verständnis, das wohltuend ist.
Die Impulse zum Thema „Meditation“ wurden in diesem Jahr von dem jungen Pater Wolfgang Sigler OSB aus Münsterschwarzach gegeben. Er bezog sich dabei auf seine Übersetzung des Buches „Schweigen und Honigkuchen – Weisheit aus der Wüste“ von Rowan Williams (Vier Türme). Der Buchtitel ist als Aufforderung zu verstehen, weder die Kontemplation noch das aktive Tun für allein seligmachend zu erklären. Der Autor sagt, dass es für alles eine Zeit gibt, dazu noch individuell sehr unterschiedlich. Deshalb sollten wir uns mit dem Urteil über andere stets zurückhalten – abgesehen davon, dass die Liebe ja bekanntlich nach Paulus alles erträgt…
Klare Kante ist dagegen bei Betrug und Täuschungen anzulegen, weil sie die Menschen in die Irre führen. Pater Sigler führte dazu als archetypisches Beispiel die Versuchungen Jesu in der Wüste an (Mt 4, 1-11), die den meisten bekannt sein dürften: Zuerst sollen Steine zu Brot werden, um den Hunger zu stillen. Dann wird Gott auf die Probe gestellt: Jesus soll sich von der Zinne des Tempels stürzen, und die Engel würden ihn auffangen, so der Versucher. Und die dritte große Versuchung Jesu ist schließlich die Macht, die ihm versprochen wird, wenn er sich dem Versucher unterwirft. Interessant war, das Parter Sigler noch eine vierte Versuchung nannte: Ale Jesus nach Jerusalem geht, will Petrus ihn vor dem Unheil dort bewahren (Mt 16, 23): „Das darf nicht mit Dir geschehen“, so hält Petrus dem Herrn entgegen. Ja, auch gegenüber dem Leid suchen wir schnelle Auswege und Antworten, oft versuchen wir uns wegzuducken.
All dies kann ein großer (Selbst-)Betrug sein: Es gibt oft keine Abkürzungen im Leben, wie wir es eben durchleben (müssen). Mit unserer Einstellung können wir viel ändern, aber nur in uns und meist nicht an den Umständen. Deshalb geht es vor allem auch darum, nicht auf die Verlockungen der Magie hereinzufallen, so Pater Sigler: Sie zeigen nur einen Irrweg auf.
Was beim Einzelnen nicht funktioniert, gilt ebenso für die Gesellschaft: Gerade jetzt in Zeiten von Wahlen in unserem Land, gibt es genauso Stimmen, die schnelle und einfache, ja magische Lösungen versprechen. Aber auch solch einem magischem Angebot zu folgen, wäre gefährlich.
Überleitung in die Stille
In der Meditation üben wir uns dagegen in Geduld. Wir lassen uns nicht von einer Magie verführen, sondern wir halten aus, was ist. Das wird uns weiterbringen, zu uns selbst und auch zu besseren Lösungen, wenn wir uns – aus der Kraft der Stille gestärkt – der Realität neu stellen.
Ma-ra-na-tha – komm, Herr…