Meditationsimpuls der Woche

Freundschaft mit den Gefühlen

Impuls zur Meditations-Woche vom 13. Juli 2026 bis 19. Juli 2026

von Marcus M. Lübbering

Will ich … inneren Frieden finden, macht es keinen Sinn, gegen etwas in mir zu kämpfen.
aus Bodo Janssen, „Stille, weil nur in ihr Veränderung entsteht“, Ariston Verlag 2021
Ein ruhiger Wohnungsflur im Morgenlicht, eine erwachsene Person sitzt seitlich vom hinteren Blickwinkel auf dem Boden neben einem erschöpften und traurigen Kind. Die erwachsene Person hält dem Kind ruhig eine offene Hand hin. Warme, gedämpfte Farben und natürliche Beleuchtung erzeugen eine friedvolle Atmosphäre.

Impuls: Freundschaft mit den Gefühlen

In dem angegebenen Büchlein schreibt Bodo Janssen in einem Abschnitt etwas über die Ambivalenz der Leidenschaften: Auf der einen Seite gebe uns etwas, das wir mit Leidenschaft anstreben oder umsetzen, die Kraft, um in Bewegung zu kommen; es könne uns antreiben, sodass wir uns für etwas, das uns im Leben wichtig sei, mit Begeisterung einsetzen. Auf der anderen Seite kannten schon die Wüstenväter negative und lähmende Emotionen wie Angst, Traurigkeit und Zorn sowie Zweifel, Selbstmitleid und Hoffnungslosigkeit.

Wie gehen wir damit um? Zunächst gilt wiederum, dass wir auf das Entstehen solcher Gefühle oft keinen Einfluss haben; deshalb kommt es auch hier – wie bei den Umständen, in denen wir leben, ebenso wie bei unseren Fehlern und Schwächen – vor allem darauf an, wie wir damit umgehen. Manche davon können dann sogar ein Segen werden.

Was muss dafür geschehen? Zunächst müssen wir uns unserer Gefühle bewusst werden. Und dann, so sagt es Bodo Janssen in Anlehnung an die Wüstenväter, sollten wir die negativen Gefühle nicht gleich ein für alle Mal ausmerzen wollen. Das wird meist ohnehin nicht gelingen. Stattdessen sollten wir mit ihnen „Freundschaft schließen“. Er schreibt dazu aus eigener Erfahrung: „Geholfen hat mir dabei, dass ich negative Emotionen als in mir wohnende und auf sich aufmerksam machende Kinder betrachte, Kinder, die eine Art lebenslanges Hausrecht haben und mir, dem Erwachsenen, immer mal wieder weinend und schreiend in die Arme laufen. Und wenn das geschieht, schaue ich als erstes nach, welches Kind mir denn da entgegen kommt … und … versuche dann meinem inneren Kind im Geiste das zu geben, was es braucht.“

Tatsächlich entstammen diese „schreienden Kinder“, die auch die Wüstenväter schon kannten und von ihnen „Dämonen“ genannt wurden, meist aus unserer Kindheit. Bodo Janssen beschreibt sie so: „Dabei geht es um Enttäuschungen, Entmutigungen oder andere Verletzungen, die unsere Grundbedürfnisse nach Verbundenheit, Autonomie, Kontrolle, Lust oder Anerkennung missachten oder sonst einen starken Einfluss auf unser Urvertrauen und Selbstwertgefühl haben.“ Kim Nataraja, langjährige Leiterin der Schule für Meditation der Weltgemeinschaft WCCM in London beschreibt in einem großartigen Buch, wie wir im Laufe des Lebens mit diesen ‚Schatten‘ zu tanzen lernen sollten (Titel: ‚Dancing with your Shadow‘). Wenn das nicht gelingt, bauen wir Schutzstrategien auf, die auf Perfektionismus, Narzissmus, übertriebene Harmoniesucht, krankhaftes Streben nach Anerkennung, Macht und übermäßige Kontrolle und Sicherheit hinauslaufen. Einen solchen Teufelskreis gilt es zu durchbrechen.

Überleitung in die Stille

So macht uns auch Bodo Janssen Mut: „Wir sind auf diese Verhaltens- und Gefühlsmuster nicht festgelegt. Gehen wir in die Stille…“ So würden wir uns negativer Muster bewusst und könnten mit ihnen in einen Dialog treten. „Wir verstehen dann, woher sie stammen, und wenn wir ihnen im Geiste geben, was Sie brauchen, werden wir innerlich freier, ruhiger und zufriedener.“

Ma-ra-na-tha – komm, Herr…

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