Meditationsimpuls der Woche

Erst in sich hineinhören, dann handeln!

Impuls zur Meditations-Woche vom 29. Dezember 2025 bis 4. Januar 2026

von Marcus M. Lübbering

Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde, da hatte ich weniger zu sagen. Zuletzt wurde ich ganz still. Ich wurde, was womöglich ein noch größerer Gegensatz zum Reden ist, ich wurde ein Hörer. Ich meinte erst, Beten ist Reden. Ich lernte aber, dass Beten nicht bloß Schweigen ist, sondern Hören.
Søren Kierkegaard, 1813 – 1855, dänischer Theologe und Philosoph
Eine alte Zimmermannswerkstatt am frühen Morgen mit einer abgenutzten Holzwerkbank, Werkzeugen und einem älteren Handwerker, der seine Hände ruhig auf einem Stück Holz ruhen lässt. Warmes Licht fällt durch ein kleines Fenster, feiner Staub ist in der Luft sichtbar.

Impuls: Erst in sich hineinhören, dann handeln!

Diese Woche möchte ich Sie noch einmal mitnehmen in den Stall von Bethlehem, zur Heiligen Familie. Nachdem es in der vergangenen Woche darum ging, wie die Eltern Jesu das Kind den Weg zu seinem Vater haben finden lassen, möchte ich dieses Mal Ihre Aufmerksamkeit darauf lenken, mit welcher Einstellung dies geschehen ist. Es geht dabei vor allem auch um Josef, den Vater Jesu, der auch „Josef, der Arbeiter“ genannt wird.

Josef war wohl eher ein stiller Arbeiter, über den wir wenig wissen. War er stumm? Oder war er sprachlos? In den Schriften finden wir kein Wort von ihm selbst, nur ganz wenige Worte über ihn bzw. über das, was er getan hat. Ganz offensichtlich war er aber jemand, der tief in das Geschehen der Welt und in sich selbst hineingehört hat. Zweimal hat er auf diese Weise, wenn man so will, still und leise den Lauf der Geschichte entscheidend geprägt, weil er auf das gehört hat, was ihm sein Herz gesagt hat: Am Anfang hat er Maria zu sich genommen und das Kind angenommen, weil er auf die Verheißungen gehört hat, die er in seinem Herzen wahrgenommen hatte. Anderenfalls hätte sich der heranwachsende Jesus in Nazareth nicht so „normal“ – und wohl sehr behütet – entwickeln können, sodass bis zu seinem 30. Lebensjahr kaum etwas über ihn bekannt ist. Aber schon gleich nach der Geburt Jesu im Stall von Bethlehem hat Josef die Mutter und das Kind gerettet, indem er mit ihnen nach Ägypten geflohen ist. Auch das war eine Zumutung, aber er hat es getan – in einem Akt von hoher symbolischer Bedeutung: Das Land, in dem die Väter unterdrückt und versklavt worden waren, wurde so zum Land der Rettung.

Josef hat in allen Irrungen und Wirrungen der damaligen Zeit eine gerade Linie in seinem und in das Leben anderer gezogen. Hätte er es nicht getan und hätte er nicht wie Maria „Ja!“ gesagt zu dem, was ihm im Herzen geoffenbart und offenbar wurde, das Christentum hätte nicht oder jedenfalls so nicht entstehen können, wie es im Wunder der Nacht von Bethlehem angelegt war.

Für viele ist Josef ein Vorbild als gewissenhafter Arbeiter. Das war auch für mein jesuitisches Vorbild so – ein Pater, der eine ganze Generation von Jugendlichen geprägt hat. Statt Alfred hätte er gerne Josef geheißen, hat er mir einmal gesagt. Aber vor dem gewissenhaften Arbeiter Josef gab es wohl noch den hörenden Josef, der aus dem Hören die Kraft zur wirksamen Tat schöpfte.

Überleitung in die Stille

Der hörende Josef kann auch für uns in der Meditation ein Vorbild sein. In der Stille hören wir die Wahrheit über uns, über die Welt und letztlich auch über das, was zu tun ist. Hören wir hin!

Ma-ra-na-tha – komm, Herr…

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