Meditationsimpuls der Woche

In der Stille des Ostermorgens Sinn finden

Impuls zur Meditations-Woche vom 6. April 2026 bis 12. April 2026

von Marcus M. Lübbering

Einmal mehr aufstehen als hinfallen.
Rita Süßmuth, 1937 – 2026, deutsche Pädagogin, Professorin und Politikerin
Ein alter europäischer Kirchenvorraum am frühen Morgen mit abgenutzten Sandsteinstufen, eine halb geöffnete schwere Holztür, durch die goldenes Morgenlicht fällt. Eine einzelne erwachsene Person richtet sich auf einer der unteren Stufen langsam auf, die Hand an der rauen Steinwand, das Gesicht im Seitenprofil, Blick zum Licht hinaus.

Impuls: In der Stille des Ostermorgens Sinn finden

„Einmal mehr aufstehen als hinfallen.“

Wie feiern wir Ostern? Ungläubig? Mit verweinten Augen, wie die Frauen am Grab? Mit ungläubigem Staunen und offenem Blick, wie Maria Magdalena bei der Begegnung und Erkenntnis des Auferstandenen – wie es etwa im Bild des italienischen Renaissance-Malers Girolano Savoldo dargestellt ist? Florian Schuller, der langjährige frühere Leiter der Katholischen Akademie in Bayern hat in einer Tagung der Academie Kloster Eberbach vor drei Jahren darauf hingewiesen, dass die nicht gegenständlichen Darstellungen der Auferstehung das Ostergeschehen wohl besser erfassen als detaillierte Bilder. Vor allem im Blick, in der Haltung und in der Zugewandtheit der Maria Magdalena spiegele sich das Ostergeschehen wider. (Das Bild kann im Internet mit den Stichworten „Savoldo, Maria Magdalena“ leicht abgerufen werden und eignet sich vielleicht für eine österliche Betrachtung.  Aber auch wenn das Bild hier aus urheberrechtlichen Gründen nicht gezeigt werden kann, so hoffe ich doch, dass der Gedanke zur mittelbaren Darstellung des Oster-Geschehens deutlich wird.)

Ähnlich war die Botschaft unserer Referentin beim Eberbacher Impuls vor wenigen Tagen am 1. April zum Thema „Mit Viktor Frankl in Zeiten von Entscheidung(en) und Krisen bestehen“. Sie beschrieb die Lehre von Viktor Frankl so, dass das Leben nicht direkt, sondern nur über den Sinn verstanden werden könne. So gelte es auch die Aufgaben zu lösen und die Herausforderungen zu meistern, vor die uns das Leben immer neu stellt. „Letztendlich soll der Mensch nicht fragen, was der Sinn seines Lebens ist, sondern er muss erkennen, dass er es ist, der gefragt wird.“ Wir geben also mit unserer Antwort den Sinn, und darin spiegeln sich auch der Glaube, unsere Grundeinstellung zu uns selbst und zu anderen sowie die grundlegenden Werte unseres Lebens wider – wie der Auferstandene in den Augen der Maria Magdalena.

Wir alle reflektieren etwas: Dadurch, wie wir auftreten, durch unsere Erscheinung und auch dadurch, wie wir auf andere zugehen. Auch auf unserem Weg der Meditation werden wir etwas widerspiegeln. Nicht, dass dies unsere Absicht wäre, aber all das, was uns selbst und unser Leben ausmacht, auch die Stille, wird – gewollt oder ungewollt – auf andere ausstrahlen. Wie sähe das Bild aus, dass ein Maler wie Savoldo von uns (am Ostersonntag) malen würde? Was würde unser Blick widergeben? Würde man eine Hoffnung sehen, die uns trägt?

Überleitung in die Stille

Viele Menschen fürchten die Stille, weil sie Angst haben, dass österliche Hoffnung nicht zu finden oder vielleicht verschüttet ist. Aber es gibt sie, und wir können sie finden und stärken: Ja, wenn wir uns bei der Meditation in Gedanken verloren haben, wirkt jede Rückkehr zu unserem Mantra wie eine kleine Auferstehung. Wie das möglich ist? Indem wir einmal mehr neu beginnen als wir uns verlieren. Das ist unser Weg; er gibt Kraft auch für das tägliche Leben.

Ma-ra-na-tha – komm, Herr…

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