Meditationsimpuls der Woche
Unnötiges Gepäck zurücklassen!
Impuls zur Meditations-Woche vom 18. Mai 2026 bis 24. Mai 2026
Reisen ohne Koffer – wie weit kommt man?
Impuls: Unnötiges Gepäck zurücklassen!
Mitte April habe ich mit meiner Frau eine Busreise unternommen: „Rund um die Ostsee“ – acht Länder in sieben Tagen, ein stolzes Programm. Wir haben viel gesehen und gelernt, vor allem über die Entschlossenheit der Menschen in den baltischen Staaten und ihre Liebe zur Freiheit.
Wenn auch von solchen Reisen manches in der Erinnerung verblassen mag, eins wird unsere Reisegruppe wohl nie vergessen: Dass aufgrund eines Missverständnisses gleich nach der ersten Übernachtung in Warschau die Koffer eines Paares nicht in den Bus eingeladen wurden und daraufhin die Frage aufkam: Wie geht es weiter? Konkret: Wie kann man in Windeseile zwei Koffer von Warschau nach Vilnius transportieren, ohne dafür ein Vermögen auszugeben.
Es würde den Rahmen sprengen, hier alle Überlegungen aufzuzeigen, die – nicht nur von Seiten der vorbildlichen Reiseleitung – angestellt wurden, wie man der Koffer wieder habhaft werden könnte. Es wurde wirklich alles überlegt und versucht. Auch ein Abbruch der Reise wurde von dem betroffenen Paar in Erwägung gezogen. Zugleich hat gutgetan zu sehen, dass je größer die Aussichtslosigkeit wurde, auch die Hilfsbereitschaft wuchs: Alle wollten etwas von dem „Überfluss“ im eigenen Koffer abgeben. Dabei gab es natürlich auch lustige Ideen. Es war nicht wie bei den Urchristen, die alles geteilt haben, aber es tat doch gut zu erleben, wie in solchen Situationen, in denen der Einzelne auf Hilfe angewiesen ist, das Miteinander wachsen kann.
Das Ende der Geschichte war aber ein ganz anderes, und das hat durchaus etwas mit unserer Meditation zu tun: Bei einer Pause hieß es auf die Frage „Was machen Sie denn jetzt?“ ganz einfach: „Nichts, wir lassen die Koffer zurück; wir lassen sie uns von der nächsten Reisegruppe nach Hause mitbringen und reisen ohne sie weiter; lebenswichtig sind sie ja nicht.“ Darauf zu kommen, war einfach, aber nicht leicht! Und nach einem Noteinkauf im nächsten Ort ging es weiter, als wäre nichts gewesen. Nur die Verbundenheit in der Reisegruppe war gestiegen.
Überleitung in die Stille:
Ist das nicht auf unserer Lebensreise auch so, dass wir vieles in unseren Koffern haben, das verzichtbar ist, dass wir vielleicht sogar zu viele Koffer bei uns haben, die uns nur belasten? „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in das Himmelreich“, so heißt es beim Evangelisten Markus. Zugleich heißt es bei Matthäus: „Selig die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich.“ Verluste an- und hinnehmen und doch vorankommen, das ist der Weg!
In der Meditation praktizieren wir auch diese Armut im Geiste: Das eine Wort macht uns insofern reich, als wir alle Hindernisse, zu uns selbst zu kommen, abstreifen. Wir reisen mit weniger Gepäck, und das ist befreiend. Auf diese Weise kommen wir bei unserer inneren Reise viel sicherer ans Ziel, als wenn wir alle Umwege beschreiten, die uns unsere Gedanken und Verhaftungen nahelegen wollen. Lassen wir alles unnötige Gepäck zurück; der Weg des Mantra kann uns zum Segen werden. Es gibt Zeiten, da zählt nur das Loslassen, das bringt uns voran!
Ma-ra-na-tha – komm, Herr…