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Vortragsthema: „Als ein anderes Reich möglich schien – Das Stauffenberg-Attentat vom 20. Juli 1944 und die Idee von einem neuen Deutschland“
Referent: Daniel Müller, Abteilung für Geschichte der Neuzeit, Universität Bonn
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Als um 12:42 Uhr der Sprengstoff unter dem Eichentisch detonierte, über den sich Hitler gerade beugte, schien für die folgenden elf Stunden etwas völlig Außerordentliches möglich: Das Ende von Diktatur und Krieg, von Massenmord und NS-Terror auf dem verwüsteten Kontinent. Für einen winzigen historischen Moment gab es für die Unterdrückten in Europa die Hoffnung auf ein Deutsches Reich, das nicht kriegerisch, sondern friedlich, womöglich europäisch und irgendwann einmal demokratisch hätte werden können.

Denn hinter dem Staatsstreich, den Claus Schenk von Stauffenberg am 20. Juli 1944 in die Wege geleitet hatte, als er den Sprengstoff in Hitlers Lagebaracke deponiert hatte, stand eine ganze Reihe von Ideen für ein neues, anderes Deutschland, die in den vorangegangenen Monaten entwickelt worden waren:

Zu den Verschwörern des 20. Juli und Stauffenbergs Vertrauten zählte nämlich auch ein Freundeskreis von Adligen und Gewerkschaftern, von Sozialisten und Jesuiten, von Katholiken und Protestanten, die sich gemeinsam auf Gut Kreisau trafen und dort die Vision eines ganz anderen Deutschland entworfen hatten.

Europäisch integriert, von unten nach oben aufgebaut und fundamental an der humanistischen Menschenfreundlichkeit des Christentums ausgerichtet, hätten diese „Grundsätze für die Neuordnung Deutschlands“ nach einem erfolgreichen Attentat auf Hitler nach und nach umgesetzt werden können.

Es kam bekanntlich anders.

Das Attentat schlug fehl, Hitler schäumte vor Rache und ließ Stauffenberg noch in der selben Nacht erschießen. Die echten oder vermeintlichen Hintermänner des Attentats – inklusive der Kreisauer Denker – ließ der Diktator nach Schauprozessen hinrichten und gab noch den Wunsch aus, den Vollzug der Hinrichtungen für ihn persönlich auf Film festzuhalten.

Und doch: Die Idee von einem neuen, anderen Deutschland, die der NS-Staat am 20. Juli noch niedergeschlagen hatte, wurde schließlich in der zweiten deutschen Demokratie verwirklicht.

Der Vortrag legt die ideengeschichtlichen Hintergründe des 20. Juli frei, um so zuletzt die im Kern philosophische Frage zu diskutieren: Worauf lässt sich ein Staat gründen?

Zum Referenten

Daniel E.D. Müller, Mag. theol., M.Ed., MLitt., B.A. (*1993), Studium der Geschichte, Kath. Theologie, Philosophie, Volkswirtschaftslehre und Bildungswissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und der University of St Andrews mit einem Magister- und zwei Master-Abschlüssen.

Daniel E.D. Müller promoviert seit Dezember 2020 am Lehrstuhl für Geschichte der Neuzeit an der Universität Bonn mit einer Dissertation zum Scheitern des Reichskirchenministeriums (1935-1941), die freilegt, worauf die langfristige kirchenpolitische Strategie Hitlers ausgerichtet war und wie sie dem Diktator immense Erfolge für seine Machtposition im NS-Herrschaftsapparat, sein Ansehen in der Bevölkerung und die Verwirklichung seiner persönlichen kirchenpolitischen Vorstellungen verschaffte.

Vor seinem Promotionsprojekt bei Prof. Dr. Joachim Scholtyseck arbeitete Daniel E.D. Müller von 2019-2020 als Redenschreiber des Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier in Wiesbaden und seit 2016 als Dozent an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und für die Forschungsgemeinschaft 20. Juli 1944 e.V. (Berlin), wo er im In- und Ausland Seminare und Veranstaltungen zur Geschichte der Neuzeit und Widerstandsforschung entwarf und leitete.

Daniel E.D. Müller ist in verschiedenen Positionen sozial, politisch und kirchlich engagiert.

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Anmeldung und Kosten
Die Teilnahme für Mitglieder der Academie Kloster Eberbach ist kostenlos. Nicht-Mitglieder zahlen 5,- € Eintritt vor Ort. Bitte melden Sie sich über untenstehenden Link an.
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Ablauf
Die Vorträge im Rahmen der Eberbacher Impulse beginnen um 19.00 Uhr und dauern ca. 1 Stunde. Anschließend gibt es die Möglichkeit zur Begegnung.
Vor den Vorträgen findet bei den Eberbacher Impulsen um 18.30 Uhr eine Schweige-Meditation statt, ab 18.00 Uhr gibt es ein Vorgespräch zur Praxis der Meditation für Neueinsteiger oder generell an der Schweigemeditation Interessierte.
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Anfahrt
Der Veranstaltungsraum ist in der Regel der Bibliothekssaal. Der Weg zum Veranstaltungsort ist vom Innenhof des Klosters aus beschildert. Die Anfahrt zum Innenhof finden Sie hier.
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